Besuchsbericht Uganda durch L-A-P e.V. vom 06. bis 12. März 2025

Der Projektbesuch erfolgte durch die beiden Vorsitzenden des Vereins, Heinrich Becker und Wolfgang Bienert.

Nachdem ich, Wolfgang die zurückliegenden 3 Jahre nicht in Uganda war, stellte sich mir vorab die Frage, wie sich die Situation vor Ort verändert hatte. Waren es Rückschritte, ein Stillstand oder ein spürbares Vorwärtskommen für die Ugander, so dass sich ihre Lebensumstände deutlich verbessert hat!

Geplant und gebucht waren die Flüge vom Flughafen BER zuerst nach Brüssel in Belgien und von dort über Kigali/ Ruanda zum Zielflughafen Entebbe in Uganda.

Schon zwei Tage früher fuhr ich mit dem Auto nach Kleinmachnow bei Potsdam, um die letzten Reisevorbereitungen zu erledigen. Dazu gehörte, dass die mitzunehmenden Gegenstände und Artikel so auf die 4 Koffer verteilt werden mussten, dass es vom Gewicht her passte. Das Endergebnis war: 1 x 32 kg (bezahlbares Übergepäck), 3 x 23 kg, 1 x Rucksack mit 20 kg (50m Elektrokabel), 2 x Handgepäck und noch zwei Notebooktaschen. In Summe über 150 kg. Am Mittwoch nutzen wir die Möglichkeit, die Koffer beim Vorabend Check-in schon aufzugeben. Das war eine große Entlastung.

Am Donnerstag war die Nacht für uns um 4:30 Uhr zu Ende und um 22.55 ugandischer Zeit landeten wir erschöpft und übermüdet in Entebbe. Alle Gepäckstücke erreichten ebenfalls das Ziel und das Auschecken am Flughafen verlief fast reibungslos. Was nicht da war, war das Mietauto. Also, sich in Geduld üben und warten. Um 1.00 Uhr kam der Fahrer. Schnelle Übergabe, einladen und ab ins Flight-Hotel (Nähe Flughafen) um erst einmal auszuschlafen.


Der nächste Morgen, ein reduziertes Frühstück (hat wenig mit dem zu tun wie wir es kennen und lieben) und Abfahrt in Richtung Kampala. Noch tanken und einen Halt in einem uns bekannten Supermarkt, um Wasser und Hygieneartikel zu kaufen. Nicht zu vergessen die SIM-Karte für das Mobiltelefon. Die Fahrt durch die Hauptstadt Kampala wurde zur Geduldsprobe: Teilweise ging es weder vor noch zurück. Die Lichtzeichen der Ampel werden vollkommen ignoriert, so dass kein fließender Verkehr möglich ist. Und dann die nicht zählbare Anzahl der Boda Bodas (Motorräder).

Nach einem Zwischenhalt mit dem Besuch des Handwerkermarktes ging es weiter aus Kampala heraus und durch die Vororte in Richtung Norden nach Gulu, wo nach ca. 40 km linker Hand die St. Peter’s Secondary Schule in Bombo liegt, die wir bis Ende 2024 unterstützten.

Dort angekommen, wurden wir herzlich vom Gründer und Schulleiter Roland Mulondo empfangen. Aus dieser Schule ist eine kleine Stadt geworden, in der 2200 Schüler unterrichtet werden bis hin zur Abiturprüfung.

Die Ergebnisse in 2024 waren wieder beindruckend: Platz 43 unter mehr als 2000 Secondary Schools in Uganda, Platz 17 in Chemie, Platz 29 in Agriculture sowie Platz 73 in Mathematik und Geography.

Mindestens ein Schüler pro Jahr hat einen so guten Abschluss, dass er zu den 2000 Schülern des Landes gehört, denen der ugandische Staat ein Stipendium an der Universität in Kampala finanziert. Wir erhielten die Belege als Nachweis unserer finanziellen Unterstützung für das Jahr 2024. Im Austausch mit Ronald erfuhren wir, dass durch den Wegfall der Hilfe durch USAID allein in Kampala 45000 Mitarbeiter von einem auf den anderen Tag ihren Arbeitsplatz verloren.


Bevor die Dunkelheit anbrach, fuhren wir weiter ins wenig entfernte Wobulenzi, um dort im Hotel Passion, das wir kannten, eine weitere Nacht zu verbringen. Da durch Baumaßnahmen sich der Eingangsbereich des Hotels weg von der Straße verschoben hatte, fuhren wir zwei Mal am Hotel vorbei, bevor wir das Hinweisschild erkannten. Das nervt einfach. Ein kurzer Sprung in den Swimmingpool, eine wohltuende Nacht, gute Mahlzeiten und weiter ging es in Richtung Norden nach Gulu. Die jeweils einspurig befahrbare Straße, die vor Jahren durch eine Firma aus China gebaut wurde, weist an einigen Stellen schon wieder schwere Schäden auf in Form von tiefen Schlaglöchern, die man auf jeden Fall umfahren sollte. Warum nicht alle Schäden ausgebessert werden bleibt ein Rätsel. Nach langer Bauzeit ist auch das von China erbaute Wasserkraftwerk in Karuma am Nil in Betrieb gegangen. Leider kommt der erzeugte Strom nicht bei der Bevölkerung an, sondern wird in die angrenzenden Länder exportiert, natürlich für Geld.

Schneller als gedacht erreichten wir Gulu und auch unser erstmalig gebuchtes Hotel. Für drei Übernachtungen vollkommen ausreichend. Es hat eine Dachterrasse, auf der man besonders am Abend bei einem kühlen erfrischenden Wind den Tag ausklingen lassen kann.

Nach dem Einchecken verabredeten wir uns mit Michael und Harriet, um das in den letzten Wochen und Monaten neu errichtete Trainingscenter für ViWA (ein Projekt nur für Frauen) erstmalig zu sehen. Es befindet sich keine 5 Minuten vom Hotel entfernt und liegt auf einem etwas leicht abschüssigen Gelände hinter der Kirche. Der größte Finanzgeber für die Maßnahme war die W:P: Schmitz-Stiftung, eine Unterorganisation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Aber auch wir als L-A-P e.V. mussten unseren prozentualen Eigenanteil leisten. So gab es einen Vertrag über Form und räumliche Aufteilung des Gebäudes. Unser erster Blick auf die Baumaßnahme war ernüchternd. Größe und Anordnung der Räume beruhten auf dem ersten Entwurf, der jedoch von W.P.Schmitz nicht unterstützt wurde. Auf der anderen Seite ist das Gebäude nun nicht nur für die Schneiderei, sondern für weitere Ausbildungsmassnahmen groß genug. Aufgrund des späten Baubeginns im Januar war noch nicht alles fertig. Rückseitig war das Dach noch nicht vollständig gedeckt und auch in den Innenräumen (Fenster, Türen, Elektrik usw.) war und ist vieles noch zu erledigen

Geschätzt ist das Trainingscenter 1/3 größer gebaut worden als vorgesehen. Für L-A-P e.V als Verein eine große Herausforderung!

Die Eröffnung als Trainingscenter ist für Anfang April geplant mit dem Start einer Schneiderei. Später sollen das Friseurhandwerk und Catering hinzukommen. ViWA als Träger erreicht mehr als 1500 Frauen in einem großen Radius um Gulu. Das Trainingscenter bietet eine dreimonatige Kurzausbildung an mit dem Ziel, dadurch die Frauen in die Selbstständigkeit zu führen.

Am nächsten Tag, dem Sonntag sprach auf Einladung der erste Vorsitzende Heinrich Becker in der Gulu Church zum Thema „Gottes Vaterschaft“. Ein überaus wichtiges Kernthema, da viele Ugander ihre leiblichen Väter nicht kennen, oder auch als solche nicht erleben und wahrnehmen.

In der noch verbleibenden Zeit sortierten und buchten wir die erhalten Beläge/Rechnungen. Eine Arbeit über mehrere Stunden, da alle handschriftlich sind. Ausklang auf der Dachterrasse.


Der nächste Tag: Mit dem Auto ging es direkt von Gulu aus über die Sandpiste nach Minja zur GRACE COMMUNITY DAY & BOARDING NPS Schule. Die Fahrzeit war entsprechend lang, da die Höchstgeschwindigkeit zwischen 20 und 35 Stundenkilometer lag, um den vielen Bodenwellen auszuweichen. In Minja angekommen, gab es einen Rundgang über das Schulgelände, da wir viele Baumaßnahmen, die vom Distrikt-Offizier angeordnet worden waren, noch nicht gesehen hatten. Da gab es das neue zweiflügelige, durch Gitterstäbe offene Eingangstor, sowie die um das gesamte Gelände gezogene 2 Meter hohe Schutzmauer mit aufgesetztem Stacheldraht, um Übergriffe auf die Schule abzuwehren.

Auch diese Schule hat wieder sehr gut im Nationlaen Ranking abgeschnitten, Platz 1 im District und Platz 214 unter mehr als 20 000 Primary Schools in Uganda.

Der Empfang der Schüler in der Main-Hall war überwältigend. Neben einer Ansprache gab es vielfältige Tanzeinlagen mit einer hervorragend einstudierten Choreografie.

Mit Beginn dieses Schuljahres (Term I) wurde auch wieder der Kindergarten als Vorstufe zur Schule eröffnet.

Frühzeitig reisten wir zurück, um am Abend einer Einladung bei Harriet Oloyi nachzukommen. Das dargereichte Essen war reichlich und vorzüglich. Neben guten Gesprächen ging es aber auch um die Finanzierung des Trainingscenter für das vor uns liegende Jahr 2025.

Dienstag war dann der Rückreisetag von Gulu in Richtung Kampala und weiter bis zum Flughafen in Entebbe. Noch einmal ein kurzer Zwischenstopp in Bombo, wo wir uns von Ronald verabschiedeten und dann nicht durch Kampala hindurch, sondern auf die zweispurige um Kampala herumführende Autobahn für die man an einer Mautstelle einen Betrag zahlen musste. Abschiedsessen in einem Äthiopischen Restaurant, Übergabe des Fahrzeuges und Einchecken am Flughafen. Mehrere Scans des Gepäcks (Koffer und Handgepäck), aber auch persönliche Kontrollen am Körper erforderten viel Geduld. Gegen Mitternacht startete dann der Flieger in Richtung Brüssel und weiter nach Berlin. Da ich im Flugzeug gut und ausreichend schlafen konnte, trat ich am Mittwochnachmittag nach einem kleinen Imbiss die Heimreise von 500 km mit dem Auto an, wo ich wieder gut ankam.

Fazit: Nach drei Jahren, in denen ich nicht in Uganda war, hat sich die Lebenssituation vieler Uganda nicht wesentlich verbessert. Ich hatte den Eindruck, dass das Land stagniert.

Wolfgang Bienert

2. Vorsitzender L-A-P e.V. im März 2025 (P.S.: Die Kosten der Reise wurden – wie immer – privat getragen).

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