Reisebericht Februar 2017

Besucher war der 1. Vorsitzende Heinrich Becker, seine Frau, sowie zwei weitere Interessenten Leonie Henn und Ursula Feist-Eckerle, die schon vor 3 Jahren dabei waren.

Wie sind mit Brussels Airlines, einer Lufthansatochter, von München via Brüssel nach Entebbe geflogen.
Nach der Übernachtung bei Claire (Paul ist letztes Jahr gestorben) im neuen guesthouse in Entebbe mit Blick auf den Victoriasee ging es am Mittwochmorgen nach Bombo zur St. Peter’s Secondary School (30 km nördlich der Hauptstadt Kampala gelegen). Ronald kam mit seiner Familie zur Begrüßung und teilweiser Übernahme des großen Gepäcks.

Angekommen in Bombo war ich mehr als überrascht, welche Entwicklung der bauliche Zustand der Schule in der Zeit seit dem letzten Besuch genommen hatte. Im Westen der Schule sind drei weitere Gebäude entstanden, ein Trakt mit drei Klassenzimmern, ein Schlafsaal-Gebäude und drei Lehrerwohnungen (Bild rechts). Aufgrund neuer Vorschriften des Staates muss der Raum für die Abschlussprüfungen der Klassen S4 (Mittlere Reife) und S6 (Abitur) Mindestabstände für die einzeln sitzenden Prüflinge haben (verständlich) und zudem innen verputzt sein (?) Deshalb wurde der bisherige Schlafsaal für Jungs zur neuen Main hall. Zudem sind die Vorschriften zur nächtlichen Abschottung der Jungs- und Mädchenschlafsäle erhöht worden. Dem konnte nun Rechnung getragen werden.

Die finanzielle Situation verbessert sich, dennoch sind noch Rückstände bei den Baukosten  in Höhe von 16 Mio UGX vorhanden (= 5000 Euro). Die Mittel des Vereins erlaubten im Moment keine Unterstützung, da wir vorbereitet sein müssen für die Zahlung der hohen Prüfungsgebühren in Höhe von ca. 5 000 Euro, die auf den März vorgezogen wurden!.

Eine weitere elektrische Nähmaschine und drei Laptops, zwei davon nagelneu aufgrund einer Spende eines Gemeindemitglieds, hatte ich mitgebracht, sowie Medikamente, Fieberthermometer, Stoffe und 125 Meter Erdkabel. Letzteres gibt es auch in Uganda zu kaufen, jedoch von schlechter Qualität und 60% teurer. Die beiden Mitbesucherinnen haben Ihren Nähunterricht fortgesetzt, dazu hatten sie Stoffe, Unterrichtsmaterialien und Füllmaterialien mitgebracht. (Links ist Ursula zu sehen). Sie werden nun aus den Stoffresten Schlüsselanhänger nähen und wir werden sie in Deutschland verkaufen. Meine Frau unterrichtet die Oberstufe über die Situation in Europa und erneut über den europäischen Winter. Die Schüler konnten einfach nicht glauben, dass man über einen gefrorenen See laufen kann. Ich selbst habe mit David, einem ebenfalls aus Deutschland gesponserten Elektriker die neuen Gebäude durch echte deutsche Erdkabelverlegung an die Elektrik der vorhandenen Gebäude angeschlossen, sowie den Schaltkreis für die Innenbeleuchtung in Klassenraum- und Schlafraumbeleuchtung aufgeteilt.
Zudem war die Belegabrechnung für das vergangene Jahr zu erledigen, wie gewöhnlich hatte Ronald Mulundo, der Direktor und Gründer der Schule, alle Beleg da.

Die Schülerzahlen haben sich weiter deutlich erhöht und liegen nun bei 600. Die Abschlüsse der Mittleren Reife im letzten Jahr können sich sehen lassen:
Von 150 Schüler haben 147 die Prüfung bestanden, einer war krank, zwei haben es nicht geschafft. Ein Schüler. Michael Mugabe, hat die Note 8, d.h. in allen 8 Fächern die Bestnote 1 und zählt damit zu den 20 besten Schülern in Uganda! (Siehe nebenstehenden Zeitungsausschnitt)
78 Schüler haben im best grade von vieren abgeschlossen, 32 davon unter den besten in Uganda.
Die Schule insgesamt ist Nr 187 unter mehr als 6000 Secondary Schools in Uganda und hat sogar die nahegelegene Islamische Juna Schule, die mit viel Geld aus den Golfstaaten ausgestattet ist, hinter sich gelassen!

Dieses Jahr wird es wieder schwierig mit den Prüfungsgebühren für S4 und S6-Abschlüsse, die sich auf 9000 Euro summieren und aufgrund der Dürre kaum von den Eltern aufgebracht werden können. Zudem ist noch Prüfungsmaterial für 5500 Euro nötig.
Dann gab es noch eine ungewöhnliche Begegnung: Die Witwe Kibirango (auf dem Bild mit Ronald Mulundo) kam, von deren 7 Enkelkinder drei an der Schule sind. Sie hatte zwei Söhne, die beide geheiratet haben und jeweils 3 bzw 4 Kinder haben. Leider starben in kurzem Abstand die Söhne und beide Ehefrauen. So verblieben die Enkel bei ihr. Nun kann sie mit ihren 68 Jahren aufgrund eines Unfalls nicht mehr auf den Äckern hacken gehen um so das Geld für die Schulgebühren zu verdienen. Wir sagten die Übernahme der Gebühren bis zumindest S4 (Mittlere Reife) zu.

Am folgenden Dienstagmorgen ging es schon weiter nach Gulu, ca 300 km. Die Straße ist inzwischen durch chinesische Firmen instandgesetzt worden, meine drei Mitreisenden waren mehr als überrascht, dass kein einziges Schlagloch mehr da ist! Unterwegs haben die drei noch das Nashornreservat besucht, in dem die Wiederansiedlung des von Idi Amin ausgerotteten Nashorns in Uganda betrieben wird. Ein mühsames Geschäft bei einer Tragezeit von 16 Monaten!

Im Hotel in Gulu dann zum ersten Mal wieder eine warme Dusche.
Gleich am nächsten Tag ging es nach Minja. Zur Begrüßung hatte Michael Oloyi die Schüler zu einem Spalier aufstellen lassen.

Auch hier ein großer Fortschritt bei den Gebäuden. Die beim letzen Besuch noch unfertigen Gebäude hatten ein Dach und wurden alle genutzt. Zudem war die neue Küche mit einem Herd mit drei Kochstellen ausgestattet worden, nur die passenden Kochtöpfe fehlten noch. (Inzwischen bestellt und von LAP bezahlt). Im Bild links Leonie Henn, unsere Mitbesucherin.

Die Schule hat seit Ihrer Eröffnung im Januar 2015 einen enormen Aufschwung genommen. Die Schülerzahl in 2017 wird über 300 liegen.
Der Ruf ist ebenfalls sehr gut: Die Lehrer an der 3 km entfernten staatlichen Schule schicken ihre Kinder zur Grace Community NPS und nicht an ihre eigene Schule! Das Einzugsgebiet geht bis 150 km!

Die Krankenstation (Bild rechts) ist noch im Bau, weil die Handwerker mit Kostenvoranschlägen nicht umgehen können und wieder falsche, zu geringe  Abschätzungen vorkamen. Dennoch ist mit der Inbetriebnahme zum Term 2 zu rechnen.

Die Nachfrage nach Boarding (Internatsunterbringung) hat uns völlig überrascht. Die Hälfte der Kinder sind nun 24 Stunden in der Schule. Zwei Klassenräume mussten temporär zu Schlafsälen umgenutzt werden.

Zur Lösung der Platzprobleme haben wir als Verein einen Projektantrag beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Berlin gestellt. Er umfasst die Installation eines Transformators, um die Laptops betreiben zu können und Licht am Abend zu haben, sowie zwei Schlafsäle nebst Toilettenanlagen und Duschen sowie den Klassenraum für die P5, also die neu zu Jahresbeginn eingerichtete 5.Klasse. Nach großem bürokratischem Aufwand erhielten wir kurz vor Abreise die Zusage, dass 75% der Kosten  übernommen werden.
Meine Aufgabe war, die Belege zu sichten und den Überweisungen zuzuordnen, was bei über 200 Belegen nicht ganz einfach war. Zudem streikte mein Computer und ich musste einen der beiden mitgebrachten Laptops benutzen. Alle Unterlagen waren vorhanden Dann waren neue Haken in den Klassenräumen anzubringen, um die mitgebrachten eingeschweißten Unterrichtsmaterialien für die Kinder sichtbar aufzuhängen.

Meine Frau hatte 50 kleine Büchlein vorbereitet, um mal wieder als Lehrerin zu agieren, was mit großem Erfolg gelang.

Ein weiteres Highlight war der neue Schulbus, der von der Firma HILTI MEA gesponsort worden war, nun mit Sitzen und Fenstern ausgerüstet und wurde schon längst zur Heimfahrt für die Kinder benutzt.

Leonie und Ursula haben mit den Kinder Spiele durchgeführt und auch beim Essenkochen geholfen. Das ist schon mühsam ohne regelbaren Herd.
Am Sonntag war die Einweihung der neuen, noch nicht ganz fertiggestellten Kirche, die Michael Oloyi in Gulu als Pastor leitet. Die Gemeinde ist vor 6 Monaten umgezogen, dennoch war die Kirche mit ca 80 Besuchern sehr gut besucht. Ich hatte die Ehre, die Predigt zu halten, das Thema war das Gleichnis von der Perle aus Matthäus 13. Der Gottesdienst war als verlängert angekündigt und dauerte dann mehr als 4 Stunden. Der Lobpreis war für unsere Begriffe mehr als laut, aber ausgesprochen fröhlich und mit Tanz begleitet. Zu Herzen gehende Zeugnisse (Eine Frau hat von 7 Kinder 6 verloren, eine andere alle 5 Kinder und beide sind trotzdem im Glauben geblieben.) und eine Segnungszeit, in der fast alle Besucher von mir gesegnet werden wollten, bildeten den Abschluss. Es gab auch noch zwei Entscheidungen für Jesus.
Danach gab es ein Essen für alle. Vor Ort war am Morgen eine Ziege geschlachtet worden, um als Festschmaus zu dienen. Dazu Irish Potatoes, Cabbage, sweet potatoes, und eine tolle Soße. Natürlich durften die wunderbaren Ananas nicht fehlen.

Am Montag ein letzter Besuch in Minja. Meine Frau fuhr mit ihrem Unterricht fort. Anschließend mussten noch alle Hefte korrigiert werden, mit rotem Stift ein Häkchen, falls alles richtig war.

Auf der Rückfahrt von Gulu direkt zum Flughafen habe ich bei einem Zwischenstopp bei unseren Lieferanten in Kampala noch Artikel für den Verkauf auf Weihnachtsmärkten besorgt (Afrikanische Klappkrippen, Weihnachtskarten, geflochtene Schalen, geschnitzte Kochlöffel und anderes). Wir überlegen, auch über unsere Website einen Verkauf zu ermöglichen.

Zum Abschluss gab es noch ein inzwischen traditionelles Abendessen (mit Fingern zu essen!) in einem äthiopischen Restaurant nahe dem Flughafen (die Besitzer haben mich sofort erkannt, nach einem Jahr!!), bevor wir das Flugzeug zu einem Nachtflug zurück nach Brüssel und weiter nach München bestiegen haben.

Heinrich Becker
1. Vorsitzender L-A-P e.V.
23.2.2017
P.S: Die Kosten der Reise wurden privat getragen.

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